12.6.11

Scheiße, Gaga, be mine!

Lady Gaga - Scheiße

Liebe Leser und Follower!
Am Freitag, dem 10.06.2011 um 00:30 Uhr ging vor dem Eisenportal des Grandhotels Schloss Bensberg in Bergisch Gladbach einer meiner größten Träume in Erfüllung: Ich traf Lady Gaga. Hautnah, leibhaftig und in Lebensgröße. Ich berührte sie, sprach mit ihr und sie mit mir. Ich kann es bis jetzt noch nicht ganz fassen. Es ist das perfekteste nachträgliche Geburtstagsgeschenk seit langem.
Dabei wäre es wirklich das Allerletzte gewesen, das ich für möglich gehalten hätte an diesem Tag. Nie hätte ich mir das erträumen lassen, als ich allein und auf gut Glück in den Zug Richtung Köln stieg. Doch erstmal eins nach dem anderen. 

Ich hatte von Mittwoch auf Donnerstag kein bisschen Schlaf. Ohne Witz. Denn Last-Minute-Felix hat das Talent Dinge vor sich her zu schieben. Ach, hast morgen eh den ganzen Tag frei, dann machst du das! Pustekuchen. Ich begann abends dann irgendwann mit dem Referat, das ich Donnerstag in einem Proseminar in der Uni halten sollte. Facebook und tralala sei Dank, wurde ich aber bestens davon abgehalten auch nur einen Finger zu rühren. So kam es, dass ich mir selbst eine Nachtschicht verordnete und die Nacht gekonnt durchmachte, so dass ich das Referat zwar beendete, aber nur noch ein Schatten meiner selbst war. Das Thema der Präsentation lautete übrigens Die Jahreszeiten in der französischen Literatur des Mittelalters. Noch Fragen?
Irgendwann gegen 11:00 Uhr rief mich ein Freund an, mit dem ich zusammen ursprünglich gen Köln düsen wollte, um Fräulein Gaga zu stalken. Er fuhr jedoch bereits um 02:00 Uhr nachts los, während ich mich noch mit altfranzösischen Balladen rumschlagen durfte. Sein aufgeregter Anruf kann in etwa so umrissen werden: "FELIX! Ich hab sie getroffen: Autogramm, Foto, alles! Ich weine gleich!" Mir war auch nach weinen zumute, wenn ich daran dachte, was er gerade erlebt, wohingegen ich gleich ein Referat halten musste. Ich wurde langsam und allmählich hibbelig. 
Das Referat lief erstaunlich gut für meine miserable Vorbereitung. Ich scheine wohl doch ausgesprochene Souveränität bei größtmöglicher Ahnungslosigkeit vortäuschen zu können. Schnell versuchte ich nun meine Mitmenschen zum Mitmachen zu rekrutieren: Wer kommt spontan mit nach Köln? Was, Uni? Tzzz, tut mal nicht so! Es half nichts, ich hatte es mir in den Kopf gesetzt: Ich musste sie sehen! Sie war 150km von mir entfernt, es wär ein Witz den Versuch nicht wenigstens zu wagen.



Laut Aussage besagten Freundes, der sie bereits getroffen hatte, würde sie ihr Hotel in Bergisch Gladbach gegen 18:00 Uhr Richtung Köln verlassen, zu ihrem Auftritt bei Germany's Next Topmodel. Der Zug, den ich nahm würde aber nicht pünktlich sein, ich war bereits viel zu spät. Egal, versuchen! Ich kam gegen halb sieben in Köln Messe/Deutz an, rein in die U-Bahn Richtung Bensberg. Dort angekommen, zwei Menschen gefragt und nach einem kurzen und flotten Gewaltmarsch stand ich vor den eisernen Toren der gewaltigen Residenz.
Nicht schlecht Herr Specht! Hier lässt's sich bestimmt aushalten. Alle Nase lang kam ein teures Auto um die Ecke gebogen und der Portier öffnete jedes mal das Tor. Ich gesellte mich zu einer Gruppe aus vier Menschen die mir sympathisch schienen und ebenfalls bereits warteten. Bin ich zu spät? Nein, nein, beruhigte man mich. Sie wäre vor zehn Minuten wieder reingefahren. Ich war so froh! Denn nun hatte ich die Gewissheit die ganze Strecke nicht vergebens zurückgelegt zu haben! Sie musste also nochmal herauskommen!



Wir richteten uns wartend ein. Hierzu waren viele Zigaretten nötig. Und Geschichten und Insider-Infos. Selbstredend war die kleine Bande auch bei dem Konzert in Oberhausen letztes Jahr gewesen, bei dem auch ich aus der ersten Reihe damals mitgrölte.
Dann, nach gar nicht allzu langem Warten, kam ein gewisser Herr vom Hotel, den die anderen schon zu kennen schienen. Wir nannten ihn Froonck, wie den Weddingplanner Frank Mathée: Er war ihm nicht nur äußerlich ein wenig ähnlich, sondern hatte auch einen leichten Touch. Wenn dieser erschien, konnt man sich auf jeden Fall sicher sein, dass GaGa unweit war. Er wirbelte herum, befahl uns, dass wir uns hinter die Eisenpfähle stellten, die die Auffahrt säumten und die Portiers öffneten das Eisentor.
Ein schwarzer S-Klasse Mercedes Benz näherte sich gegen 20:25 Uhr und wir rasteten alle schon ein wenig aus. Da saß sie auf dem Beifahrersitz in all ihrer Schönheit: Das Auto rauschte vorbei, wir jubelten und Gaga lächelte bezaubernd und winkte zurück, bedeutete jedoch mit einer Gestik ihrer Hand und Lippenbewegungen, dass sie los müsse. Sie muss wohl sowas wie "I gotta go!" mit dem Mund geformt haben. Wir waren verzaubert, doch auch enttäuscht. Sie hatte nicht angehalten. Dabei waren wir nicht allzu viele gewesen und wir wussten, dass sie heute schon für Fans vorm Hotel angehalten hatte.
Uns war nach Alkohol. Wir durchkämmten Bergisch Gladbach. Es hatte alles zu oder sah nicht sonderlich einladend aus. So kehrten wir in einen netten Irish Pub ein und gönnten uns Bierchen und 43er mit Milch. Es lief Fußball auf einem modernen Großbildfernseher; wir setzten durch, dass man Germany's Next Topmodel anschaltete. Tatsächlich lief kurze Zeit später GaGas Auftritt und wir saßen nur noch frohlockend vorm TV. Dass Guillotinen auf der Bühne stehen sollten, hatte ich schon zuvor durch brandheiße Insider-Infos erfahren und es bestätigte sich tatsächlich! Wir versuchten auszumachen, was sie singt und bekamen Bestätigung durch SMS und Telefonate mit Freunden.
Kurz nach ihrem Auftritt begaben wir uns schon wieder zurück vors Hotel und warteten weiter. Es gab zwei Möglichkeiten: Entweder sie würde direkt weiter nach London fliegen, oder erstmal zurück zum Hotel kommen und eine weitere Nacht dort verbringen. Durfte man dem Glauben schenken, was uns eine Hotelangestellte sagte, würde sie wiederkommen. Also ging das Rauchen und Harren weiter.
Wir gaben schon die Hoffnung auf, als gegen 23:45 Uhr ein schwarzer Mercedes-Bulli mit Hamburger Kennzeichen (Gagas Benz hatte auch eines) durchs Portal fuhr. Hinten hinter den abgedunkelten Scheiben meinten wir Gaga gesehen zu haben. Deshalb begannen wir einen Gaga-Schlachtruf und stellten uns an das Eisentor, an dem wir halb hochkletterten. Doch die Person, wer auch immer es war, reagierte nicht. Ich twitterte Gaga direkt an. Wir stimmten ihre Lieder an und es gab ein Gänsehautgefühl. Wir wollten sie wiedersehen!

Warten, warten, warten. Doch dann herrschte wieder etwas Durcheinander gegen 00:30 Uhr. Froonck kam zurück, telefonierend, versuchte uns ruhig zu stellen, gab Anweisungen; das Portal wurde wieder geöffnet, beide Pforten. Wir reihten uns zu beiden Seiten der Auffahrt auf, es waren mehr Menschen geworden. Un da! Von links aus kam wieder der schwarze Benz und bog Richtung Schlosseinfahrt ab. Ich stand weit vorne und das Auto wurde langsamer und kam direkt vor mir zum Stehen; ich blickte direkt in mein aufgeregtes Spiegelbild, das ich im Fenster der Beifahrertür sah. Mein Herz rutschte mir in die Hose, ich wurde nervös. Dann bewegte sich auf einmal die Scheibe langsam herunter und da war sie: Gaga! Ihr türkises Haar, teal blonde, wie sie auf englisch sagt. Die knallroten Lippen, die schwarz nachgemalten Brauen. Sie war es. Es war ein magischer Augenblick. Doch er verflog schnell, da ich mich direkt ins Auto stürzte - nun ja, hineinlehnte, trifft's eher.
Ich war so aufgeregt wie selten in meinem Leben - oder vielleicht sogar wie noch nie zuvor! Ich war tatsächlich Kopf an Kopf mit ihr, Wange an Wange sogar. Es war unglaublich. Nervös hielt ich die Kamera vor unsere Gesichter und drückte und drückte. Doch irgendwie schien sie nicht zu funktionieren. Es muss an meiner Aufgeregtheit gelegen haben, dass ich es nicht hinbekam. Ich brachte bloß folgendes hervor: "Gaga, it does not work! It does not work Gaga; fuck!" Sie blieb jedoch gelassen und wartete, bis ich es nach dem dritten Anlauf oder so endlich schaffte - Blitz! Und zack war das Foto drin. Deswegen seh ich darauf vermutlich auch so krass blöd aus. Dieser erschrockene Gesichtsausdruck. Na ja, aber gegenüber einem Weltstar gut ausuzsehen wäre auch schon eine Kunst, oder?
Diese Augenblicke vergingen so schnell irgendwie, ich bin mir nur nicht mehr ganz sicher, meine aber auch ihren Arm gehalten zu haben. Oder ihre Hand? Vielleicht berührt. Egal. Ich hatte ihr Gesicht an meinem gespürt!



Auf einmal sah sie mich direkt an und sprach mich sogar direkt an. Den genauen Wortlaut auf Englisch kann ich nicht wiedergeben, aber sie meinte soviel wie: "Wir können ein Foto mit allen zusammen machen." Mit "allen" meinte sie die Leute, die um mich herum auch drängelten und kreischten. Ich stimmte sofort zu, hielt meine Kamera wieter ins Auto rein, um uns alle mit ihr draufzukriegen. Doch der Chauffeur machte uns einen Strich durch die Rechnung in dem er einfach langsam anfuhr und dann Gas gab und zum Hotel hochbrauste. Zuvor sagte er schon, wir sollten im Auto nichts anfassen! Was kümmert mich das Auto du Lauch? Vollidiot! Wäre er nicht gewesen, sie hätte noch länger mit uns Fotos gemacht. Außerdem hatte ich in der Hektik und Aufregung vergessen um ein Autogramm zu bitten. Na ja. Shit happens!
Die anderen umschwirrten mich danach zu Hauf! Ich war ja irgendwie der einzige gewesen, der ein Bild mit ihr gemacht hatte! Andere hatten immerhin ihre Hand gehalten. Alle wollten das Foto sehen und waren begeistert. Ich fand mich auf dem Bild nur hässlich, doch der Tonus der anderen lautete: "Egal, du hast ein Bild mit ihr!" Und Recht hatten sie! All die Warterei war es letzten Endes doch noch wert gewesen, auch, wenn ich damit nie wirklich gerechnet habe! Ich war so glücklich wie noch nie ... und mein ganzer Körper zitterte noch weitere zehn Minuten vor Aufregung - ohne Scheiß!
Die Menge löste sich langsam auf - erst recht, als die Polizei kam, die Froonck nach Gagas kurzem Auftritt wegen Ruhestörung gerufen hatte. Platzverweis. Egal. Wir waren ohnehin mehr oder weniger getürmt; also, hatten uns aus der brenzligen Zone rausbegeben. Wir hatten unser Ziel erreicht; ich auf alle Fälle!



Zum Ende will ich nicht mehr viel labern. Ich kann euch lediglich versichern, dass wir und insbesondere ich vollkommen durch und abgefuckt waren. Ich hatte seit was weiß ich wie vielen Stunden keinen Schlaf mehr gehabt! Von Bergisch Gladbach aus ging's nachts dann nach Köln zum Hauptbahnhof. Ein Beruhigungszigarettchen vorm Dom und ein Beweis, wie kaputt ich war. Dann in den InterCity nach Münster.


Bandana, Jeanshemd, Armbänder: H&M | Jutebeutel: We Make The Cake | T-Shirt: ZARA | Röhrenjeans: Cheap Monday

Ich kam gegen 04:30 Uhr endlich in meinem Bettchen an. Es war ein verdammt denkwürdiger Tag; ich werde lange daran zurück denken. Ich kann es bis heute eigentlich kaum fassen. Bin ich ein gestörter Fan? Ich denke es geht schlimmer ... und wer immer seinem Idol oder Vorbild oder Superstar oder was auch immer mal je so nah gekommen ist, der weiß, dass ich vermutlich doch nicht übertrieben habe! Ich hoffe ihr durftet auch schonmal sowas erleben. Durftet ihr?
Außerdem, es zeigte mir: Es scheint tatsächlich fast nichts unmöglich! Mit einer Prise Glück bekommt man es doch noch hin!


In diesem Sinne,
Felix




P.S.: Heute ist Les Neiges vier Monate alt geworden! Happy birthday to us!



16 comments :

  1. Neid überkommt mich....

    ich höre grad SCHEISSE und dann les ich deinen post... danke xD mein Sonntag ist somit versaut ..was davon übrig ist :) HHAHAHA

    aber ich werds auch irgendwann schaffen :P

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  2. Und während dieses Foto entstand, streichelte ich ihre Hand und schaute euch an :D ♥♥♥

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  3. :D Felix Felix. Da fällt mir ein, das wir uns ja mal treffen wollten :D wieder vergessen.

    Ja, vergleichbares hatte ich auch schon. Bei einem Auftritt von Olli Pocher. Da kam er auf mich zu und hat mit mir (vor versammelter Halle) über die Zeitung geredet, für die ich da als Fotografin war. Aber das war eher unfreiwillig. Pocher ist meiner Meinung nach unrasiert, klein und fett :D Aber was solls, stolz drauf bin ich trotzdem ein kleines bisschen.

    Und wen hab ich noch getroffen? Letztens in berlin die Sängerin von Juli und habe in irgendeinem Club mit einem der Sänger von Beat!Beat!Beat! getanzt.

    :D Meld dich mal sobald du deinen Schlaf aufgeholt hast ;)

    Mimi

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  4. ohje, da ist aber einer schwer verliebt ^^ hat spaß gemacht deinen euphorischen bericht zu lesen ;)

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  5. sag mal felix, bist du einfach in ihr auto gestürzt und hast angefangen euch zu knipsen? :D du bist mir ein äffchen, hahaha

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  6. War auch da, Gott sei Dank hat ihr jemand meine "Born This Way"-Tasche auf den Schoß geworfen, bevor sie weiterfuhr...bin gegen sechs Uhr morgens sogar im Hotel rumgelaufen und stand vor dem Zimmer in dem sie die Interviews gegeben hat...

    Auch wenn ich kein Foto mit ihr habe, war es eine geile Nacht!

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  7. Du hast das total spannend erzählt! Hat sich wirklich gut gelesen, hihi. Und OMG, mega Eifersucht droht, das ist einfach nur megageil! Das muss der absolute wahnsinn gewesen sein. Coole Sache.

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  8. Ich weiß das dieses Kommentar etwas sehr spät kommt, aber ich bin gerade erst auf deinen Blog gestoßen und dieser Text ist total fesselnd! Du mega Glückspilz!!
    Liebe Grüße
    Em-

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  9. Vielen Dank ihr alle! Freut mich sehr, wenn euch mein (zugegebenermaßen wirklich äußerst euphorischer) Text gefallen hat! :)
    Ja, ich hatte sagenhaftes Glück, muss wohl an meinem Namen liegen, haha! :D
    xx

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  10. tatsächlich nur 1 kommentar. mach dir nichts draus - put your paws up!

    da hast du echt was geschafft, respekt! leider wird sie oft belächelt & ihr wird hinterhergesagt, dass sie nicht singen kann, was a.b.s.o.l.u.t.e.r schwachsinn ist, grade SIE!!!!, sie ist aber so
    ein toller und vor allem GENIALER mensch, kreativ und sie steht zu sich und sie kann einem mut machen. ich war eben am fame ball & am fame monster ball & werde 100%ig auch zum btw-ball gehen & jedes mal war da so ein tolles gefühl. während dem konzert sagt sie immer, wenn andere was auszusetzen haben an dir, es ist egal, du bist schön, du bist klug etc., lass dir nix sagen! das hat mich irgendwie glücklich gemacht, gleichzeitig war ich aber auch den tränen nahe, weils vorbei war. :)

    sei stolz auf das foto, außerdem habt ihr irgendwie denselben gesichtsausdruck, das ist süß! :)

    so, jetzt nicht euphorisch, aber verwirrend. naja, little monster halt. :P

    lg,
    sarah.

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  11. richtig coole story!
    hat spaß gemacht zu lesen.
    toller blog :)

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  12. OMG LADY GAGA ♥♥♥

    so ne verdammt gute story einfach.
    vor allem wie du einfach hingefahren bist.
    so aktionen sind immer die besten.

    freu mich total für dich dass du sie getroffen hast!

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  13. wow du glückspilz :D
    das ist doch echt ein traum, so etwas zu erleben..
    finde deinen blog generell sehr cool
    folge dir jetzt und würde mich über ein paar nue follower auch freuen :)

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  14. Das Foto ist voll gut geworden, deine Augenfarbe passt zu ihren Haaren!

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  15. Hab mir gerade alles durchgelesen und ahhh du Glueckspilz! Bin voll neidisch auf dich und freu mich aber auch fuer dich. Ich gehe am 27Juni auf ein Konzert von ihr in Melbourne und freu mich schon total darauf.

    Schoener Blog hast du da und du kannst richtig gut erzaehlen. Kompliment.

    Liebe Gruesse :)

    http://letsgopartyinthesunburntcountry.blogspot.com.au

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