3.11.12

SPRACHEIGENARTEN IN DEN VERSCHIEDENEN BUNDESLÄNDERN

So ihr Lieben, heute geht es mal um etwas vollkommen anderes als Mode oder Musik. Heute geht es viel mehr um etwas, mit dem ich mich als Sprachstudent eigentlich ständig beschäftige: Nämlich um Sprache. Mehr noch: Um unsere eigene, die deutsche.
Insgesamt 17 Blogger/-innen haben jeweils einen Beitrag zum Thema Spracheigenarten in den verschiedenen Bundesländern geschrieben, denn, obwohl unser Land gar nicht so groß ist, gibt es doch so viele Dialekte und Verwunderlichkeiten in unserer Sprache, dass ein paar aufzuzählen mal ganz interessant ist!
Ich selbst stamme aus dem deutsch-niederländischen Grenzgebiet, genauer gesagt aus dem Landkreis Grafschaft Bentheim in Niedersachsen, und zwar aus dem südlichen Teil der Region, der Obergrafschaft. Ich selbst bin immer sehr froh Hochdeutsch zu sprechen und somit weitestgehend "ordentlich" und bei Fremdsprachen auch ohne Dialekt (Ausländer hören bei mir zumindest nie einen Akzent, ich werde hier in Frankreich aber sonderbarerweise oft für einen Engländer gehalten komisch).
Wobei andere jetzt sicherlich für sich beanspruchen, reineres Hochdeutsch zu sprechen, aber das kann ich nicht so gut beurteilen. Was ich aber weiß ist, dass ich Worte benutze, die man anderswo überhaupt nicht kennt. Und dass es in meiner Region auch sprachliche Eigenarten gibt, die ebenfalls ziemlich typisch sind. Dies lässt sich wohl dadurch erklären, dass dort sehr viel Plattdeutsch gesprochen wird ‒ meine Großeltern mütterlicherseits etwa sprachen dies untereinander, ich hab es nie gelernt und war auch nie erpicht darauf.
Doch einige dieser Worte (vieles ist dem Niederländischen ähnlich) benutze auch ich; aber meist nur, wenn ich mit Grafschaftern spreche, da jeder andere sie nicht verstehen würde. Zum Beispiel:
  1. de Fiets/e: das Fahrrad
  2. der Pad/Patt: der Weg 
  3. etten: ein kaum übersetzbares Wort; wird benutzt um alles mögliche zu beschreiben, meist Personen oder Gegenstände: "Kannste mir etten mal geben?" ‒ "Ach du meinst das Etui?", "Wer's etten denn da hinten?" ‒ "Das ist meine Nachbarin!"
  4. schlittern: mit Anlauf über eine gefrorene Fläche rutschen
Davon gibt's noch einige mehr. Ein paar Eigenarten der Grafschafter kenn ich allerdings (oder zum Glück) nur durch Erzählung anderer: Alteingesessene Grafschafter sagen anscheinend zu abholen lieber aufholen, wie bei: "Ich muss noch die Jasmin aufholen." Sowas ist mir glücklicherweise nie untergekommen.
Viele Freunde von mir, die nicht aus meiner Region kommen, hab mir schon erzählt, wie oft ich das Wort wohl verwende: Das kann man wohl machen. Das kann wohl sein. Das kannst du nicht! ‒ Das kann ich wohl! Mach ich wohl.
Das war mir nie bewusst, bis man es mir sagte; es ist für mich der Inbegriff des seltsamen Grafschafter Sprechens! Der unübersetzbare Lückenfüller.
Ebenfalls ein Wort, das eine Freundin aus Leipzig beispielsweise nicht kannte war Rummel. Rummel kennen vermutlich vor allem im Norden die meisten als Rummelplatz, also Kirmes (sagt man glaub ich auch eher bei uns) oder Jahrmarkt. Oder man meint mit Rummel eine lärmende Betriebsamkeit oder großes Aufheben um etwas. Ich kenne das Wort aber auch noch im Sinne von großes Durcheinander, Unordnung. Dazugehörig das Adjektiv rummelig/rummlig. Besagte Freundin konnte mit dem Wort rein gar nichts anfangen, als ich in ihr Zimmer trat und meinte: "Was ist das denn für 'n Rummel hier?"
Kennt auch ihr solche sprachliche Besonderheiten in euren Regionen? Ich könnte hier noch ewig weitermachen über Dinge, die ich in anderen Bundesländern aufgeschnappt habe, aber das würde hier den Rahmen sprengen! Lasst mich wissen, wie seltsam oder normal man bei euch redet und ob euch andere Leute auch groß angucken, wenn ihr ein bestimmtes Wort benutzt habt oder eine Redewendung!
Gerne könnt ihr euch hier auch noch die Artikel der anderen Blogger/-innen zu Gemüte führen, frohes Schmunzeln! x

7 comments :

  1. Geil! Wir sagen auch mal Kerb zu Kirmes, das kannt mein Münsteraner nicht! Fietse ist ja eig auch holländisch... diese Grenz-NRWler... :D
    so was wie "etten" haben wir in Hessen auch, also was ähnliches. Wir sagen oft "als" als eine Art Lückenfüller. Komisch.
    Finds auch immer wieder interessant!

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  2. Bei uns (Mansfeld-Südharz) wird ab und zu das Wort 'Aschenküwwel' für Mülleimer benutzt, bis jetzt hat es noch niemand verstanden und uns ziemlich verständnislos angeschaut, was ich auch verstehen kann - aber irgendwie gehört so etwas dazu und macht unsere Sprache aus und lustig ist es ebenfalls (=

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  3. Mich hats von Südhessen nach Münster (NRW) verschlagen... das mit dem "wohl" stimmt wirklich, gewöhnt man sich auch sehr schnell an ;)
    Fietse/Leeze (Fahrrad), Pinneken (Shotglas), breit (=betrunken; bei uns sagt man das nur im Zusammenhang mit Drogen), und "etten" musste ich auch erstmal lernen!
    Dafür brachte ich diese Wörter mit: "net", "gell", "schwätzen", "daheim / ich fahr heim", "Fasching/Fastnacht" (=Kirmes), "Warmup" (=Vortrinken) "Wasn das fürn Lauch?", "Was ein Opfer", "Kerb" bzw "Kerwwe" (ist eigtl eher Schützenfest als Kirmes oder so ne Mischung?!), "...des Todes" als Steigerungsform, "Was ein Mock" (Gestank, etw. das nervt wie bei "was ne scheiße"), ...
    bestimmt noch viele andere :D

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  4. Wir sagen ganz viel wat, dat und woll (Wuppertal)

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  5. Bei mir in der Gegend (in der Nähe von Münster) wird auch Plattdeutsch gesprochen, selbst sprechen tue ich es nicht richtig, nur ein paar Wörter, aber ich versteh (fast) alles, meine Oma spricht fast nur Platt... Bei uns ist die Sprache aber oft auch noch von Dorf zu Dorf etwas verschieden, was für eine Freundin von mir die ursprünglich aus Berlin kommt manchmal alles noch verwirrender macht :D

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  6. Ich komme auch aus Niedersachsen und das wort wohl, ist mir wohl bekannt und wird wohl auch sehr gern verwendet.Das einzige was ich in erfahrung bringen durfte, war wenn ich Hochdeutsch sprach wie ein Erwachsener. Damit meine ich, wenn ich als damals 13 Jährige sagte: Du bist ganz schön impulsiv anstatt Du bist ganz schön wütend.
    Plattdeutsch wird auch geschrieben, aber sprechen kann ich es gar nicht. Sonst ist alles sehr normal und in "rein" in meiner Gegend.

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